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50mm (und 35mm) Apo-Lanthar E + Nikon Z7 aus der Sicht eines Landschafts- und Architekturfotografen

Meine Bilder sind Ergebnis und Ausdruck meines Interesses an der sichtbaren Welt. Wer sie betrachtet, sieht idealerweise durch die Fotografien gleichsam hindurch direkt auf das Abgebildete. „I am not interested in the process“, sagt Robert Adams und meint, dass vom Prozess so wenig zu sehen sein soll wie von einer guten Fensterscheibe; Klarheit und Transparenz werden angestrebt, Artefakte, Abbildungsfehler (und erst recht Effekte) vermieden. Um den Prozess transparent und unsichtbar zu halten, muss man ihn beherrschen; Fehler mindern die Transparenz.

Und das Werkzeug muss passen. Die Objektive vor allem: Was in der Schärfenebene ist, soll scharf sein, egal bei welcher Blende oder in welcher Ecke des Bildes. Was unscharf ist, soll unscharf sein, ohne bunte Ränder, Kringel, Strukturen etc. Klingt nach simplen Anforderungen, und manche Objektive erfüllen sie. Die kann man entweder nicht bezahlen oder nicht tragen, oder sie sind ein 50mm Apo-Lanthar.
Das ist nämlich nicht so belastend. Wiegt so viel wie ein ordentlicher Apfel, und tausend Euro für ein gutes Fuffzi, das aussieht als würde es ewig halten – ok. Und es ist ein wirklich gutes Objektiv, tut einfach was es soll, macht einem keine Sorgen, absorbiert keine Aufmerksamkeit.

Das beste Normalobjektiv, das ich jemals hatte (wenn wir vom 210mm Apo Symmar auf der Großformatkamera absehen – aber das war ein anderes Universum).
Ja, manchmal hätte ich gern Blende 1,4. Aber so wichtig ist mir das dann auch wieder nicht, dass ich dafür ein Kilo mehr herumschleppen würde. Autofocus wäre ab und zu auch nett; aber so wichtig ist mir das dann auch wieder nicht, dass ich deshalb ein Objektiv wollte, das nicht ganz so gut ist und aussieht wie ein Wegwerfgegenstand (konkret: wie eine Coladose). Außerdem ist meine linke Hand froh, dass sie sich wieder nützlich machen kann (der Blendenring ist übrigens auch sehr fein). Wenn das Fokussiergewinde ein bisschen flacher wäre, wäre das bei Feineinstellungen gemütlicher, aber es ist immer noch tausend Mal besser als ein Z-Objektiv manuell zu fokussieren, was ja nun echt mühsam ist.

Der Adapter von Sony E auf Nikon Z (Megadap TZE-01) ist mechanisch gut, überträgt die Metadaten aber nicht sehr zuverlässig (die eingestellte Blende ist auch im Sucher nicht zu sehen), und die Bildstabilisierung würde wahrscheinlich besser funktionieren, wenn die Kamera die eingestellte Entfernung wüsste. Und die Verzeichnungskorrektur in Camera Raw muss ich zu Fuß erledigen (was aber simpel ist); So schlimm, dass ich deshalb das System wechseln würde, ist das alles bei Weitem nicht. Es wäre allerdings erfreulich, wenn Voigtländer mit Megadap an der firmware arbeiten würde (die Jungs würden in ihrer Hinterhofwerkstätte vor Freude an die Decke gehen, wenn sie ein mail „Betr.: Zusammenarbeit“ von Cosina bekämen).
Oh und der Deckel. Der Deckel, der in die Sonnenblende passt. So geistreich!Warum haben das nicht alle?
Das alles gilt auch für das 35mm A-L. Fast. Es muss wohl daran liegen, dass das Objektiv eben doch auf ein anderes System abgestimmt ist*: Bei offener Blende lässt die Schärfe ab halber Bildhöhe nach, für wirklich makellose Ecken braucht’s Blende 5,6. (Dann allerdings – hui!) Ich hab es trotzdem gern behalten. Wahrscheinlich wegen dem Deckel.

*Das zeigt sich noch deutlicher bei der M-Version des 50mm A-L. Das würde ich an der Nikon nicht verwenden. Ziemlich wilde inverse Bildfeldwölbung, d.h. es gibt keine Schärfenebene, sondern eine Fläche, die sich zu den Ecken hin von der Kamera weg krümmt (zB Mitte scharf in 10m Entfernung, Ecken bei unendlich). Außerdem hat die M-Version diesen coolen Deckel nicht!

Michael Nagl

Architektur- und Landschaftsfotograf in Wien
naglstudio.at

facebook.com/michaelnaglstudio